unabhängig und trivial

Berner Gazette header image 2

Wirres zum «Bund» aus Berlin

5. Januar 2009 · 3 Kommentare

Das absehbare Ende der Berner Tageszeitung «Der Bund» wirft Wellen – inzwischen bis nach Berlin. So berichtet heute die «Berliner Zeitung» prominent über das Schicksal des Tamedia-Blatts. Besonders erhellend ist der Text von Roland Mischke leider nicht. Im Gegenteil. Schwurbel, den wir da lesen. Der beginnt bereits bei der Erklärung für den Zeitungsnamen:

Der Begriff Bund steht für die Einheit der Menschen in Kantonen, in denen vier Sprachen gesprochen werden und mentale Unterschiede bestehen.

Interessanter Versuch. Aber leider kreuzfalsch. Mit der Namenswahl «Der Bund» wollten die Zeitungsgründer vor 159 Jahren dem jungen Bundesstaat die Reverenz erweisen. Nach ein paar korrekten Fakten befindet sich die «Berliner Zeitung» wieder im Reich der Fantasie:

Klar ist wohl bereits, dass die zweite Hauptstadtzeitung, die «Berner Zeitung», die zum Kaufpaket der Tamedia AG gehörte, im «Bund» verschwinden wird.

Wahrscheinlich, ja sogar sehr wahrscheinlich, ist genau das Gegenteil: dass der «Bund» in der «Berner Zeitung» aufgehen wird. Und dann kommts ganz lustig:

Um sich von der Zürcher Konkurrenz abzuheben, publizieren alle Berner promovierten Redakteure mit ihrem Doktortitel.

Hat Redaktor Mischke je einen «Bund» in der Hand gehalten, oder gar gelesen? Doktortitel? Solche tragen etliche «Bund»-Redaktoren tatsächlich. Aber sie zeichen nie und nimmer als Dr. Artur K. Vogel oder Dr. Rudolf Burger.

Zum Schluss fantasiert der Berliner Schurnalist munter drauflos, wenn er sich an einem Vergleich zwischen «Bund» und «Tages-Anzeiger» versucht:

Schweizer Journalisten sagen, dem Tagi fehle es in bundespolitischen Angelegenheiten an Tiefe und Sachwissen, die Zeitung sei eher auf Unterhaltung aus.

Mit wem der Mischke wohl gesprochen hat? Man kann dem Tagi ja vieles nachsagen, politischer Linksdrall oder schwacher Chefredaktor, aber einen Mangel an «Tiefe und Sachwissen» in bundespolitischen Angelegenheiten?!

Um den Medienjournalismus bei der «Berliner Zeitung» steht es schlecht, wenn ein derart sinn- und faktenfreier Text durchgeht und auch noch gedruckt wird. Erklären lässt sich die Panne höchstens damit, dass auch das Blatt an der Spree unter Spardruck steht und sich die Journalisten nicht mehr die Zeit nehmen können, die erforderlich wäre, um sauber zu recherchieren.

Tags: Macht und Elend · Papier und Pixel

3 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Patrik // Jan 5, 2009 at 4:48 pm

    Vielleicht hilft Herr Dr. Mischke ja nur aus im Medienressort? Denn ansonsten ist er eher mit Reiseführern beschäftigt…
    http://www.books-by-isbn.com/authors/roland/mischke/

  • 2 6 vor 9: Zensur, Bund, Hulu » medienlese.com // Jan 6, 2009 at 9:00 am

    [...] 1. “Wirres zum ‘Bund’ aus Berlin” (bernergazette.ch) Roland Mischke schreibt in der Berliner Zeitung einen Text über “das absehbare Ende” der Schweizer Tageszeitung Bund. Die Berner Gazette hat ihn gelesen und ist damit nicht zufrieden: “Um den Medienjournalismus bei der ‘Berliner Zeitung’ steht es schlecht, wenn ein derart sinn- und faktenfreier Text durchgeht und auch noch gedruckt wird.” [...]

  • 3 Philippe // Jan 13, 2009 at 11:52 am

    @ Patrick: Bern-Tourismus täte gut daran, ihn mal nach Bern einzuladen.